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Gloria
Collage, Gloria von
Stockar-Prechtel

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Budha

 

 

 

 

 

 

 

 

kreuz

 

 

Eigene Texte

Wer ich bin

Gavilan

Literatur

Du Herr der Welt

Savitri, "Sri Aurobindo"


Wer ich bin

Kind wohlhabender Eltern,
das als Sterntaler auf die Straße ging,
weil es lieber arm sein wollte.
Mager und unglücklich,
ein kleiner zarter Kuckuck
im bürgerlich-behäbigem Nest,
tanzte ich stundenlang
vor dem Spiegelglas der Vitrine,
bis das Theater mich "heimholte".
Endlich keine nächtlichen Gespenster mehr
die mich erschreckten;
jetzt lag ich als Schneewittchen im Sarg
und 7 Zwerge trauerten um mich.
Im Physikunterricht heimlich Shakespeare
auf den Knien gelesen,
zuhause die wahnsinnige Ophelia im Schuppen geprobt,
bis ich Angst vor mir selbst bekam
und ins Haus lief,
um Zuckerbrot zu essen.
Schauspielschülerin mit 16 Jahren
in der Limmatstadt Zürich.
Drei Jahre später einem Intendanten vorgesprochen,
ihn geheiratet -
er ist noch immer mein Mann -
es ausgekostet, Geliebte-, Frau und Mutter zu sein:
zwei Kinder empfangen und zur Welt gebracht.
Als Schauspielerin in die Gestalt von Undine,
Antigone und Irma la Douce geschlüpft -
den Namen gewechselt - wie die Rollen.
Nun nannte ich mich nach einer Vorfahrin
des 18. Jahrhunderts " Julia Laroche"
Ein Jahr um die halbe Welt gereist,
Südamerikatournee von Chile bis Mexiko
und weiter bis Hollywood:
Wieder als Shakespeare´s Ophelia.
Zwei kleine Kinder im fernen Deutschland zurückgelassen -
Endlich Heimkehr
aber kein neues Engagement.
Wir verkauften unsere antiken Möbel und Bilder
und verließen die schöne Insel Reichenau
und das Schloß Eilandfrieden.
Gründung der Galerie Columbus in der Elternstadt;
statt Ruhm - nun auf dem vermeintlichen Weg
zu Reichtum und Unabhängigkeit,
das Herz vergraben in schöne Dinge -
bei Vernissagen ein Glas Champagner in der Hand,
Begegnung mit Menschen unter dem Aspekt des
Kaufens und Verkaufens von Kunst.
Krankheit
schon in frühen Jahren
war ich hineingeworfen in Weh und Leid;
ein einsames Kind auf dem Krankenlager
und doch verbunden mit Gott,
den mein Bewusstsein noch nicht kannte
-meine Seele aber suchte!
Als junge Frau
quälten mich Kopfschmerz und tödliches Übelsein
an jedem siebten Tag.
Gleich Paulus empfand ich meine Krankheit
als einen Satansengel, der mich schlug.
Ruhe, Luft, Wasser, gnädige Dunkelheit
und die Liebe meiner Familie
ließen meinen ermatteten Körper wiederaufleben.
In ein Haus am Waldrand gezogen,
hoch über dem Starnberger See.
Leben mit den Kindern
und Tanash, dem schwarzweißen Collie,
der wie ein Einhorn oder ein
verzauberter Prinz war.
Michael und Julia
aufwachsen gesehen,
bereichert durch ihre Gegenwart.
Selbst - Studien in Richtung
Krankheit - Gesundheit gemacht -
Eintauchen in verborgenes Wissen
und östliche Mystik,
später Homöopathie und Tiefenpsychologie.
1974 Umzug nach München.
Den alten Namen wieder angenommen,
die roten Haare aufgegeben -
voller Staunen die eigenen,
durch Schmerzen gesträhnten,
herauswachsen sehen. -
Eröffnung der Praxis -
Dasein für Menschen
Begleiterin von
Krankheit und Leid.
Warum weinen die Menschen bei mir ?
1979 zusammen mit meinem Mann
Lebensübergabe an Gott
auf dem Domberg zu Freising
und damit durchlässig geworden
für den Geist Gottes.
Alles ist offen
auch der Weg.
Wir haben die Arme ausgebreitet,
die Hände wie Schalen geöffnet
bereit anzunehmen und zu empfangen:
Gutes und Leidvolles
Dunkles und Helles
Kreuz und Auferstehung.
Zwei Jahrzehnte dienten wir
in der Stille des weiträumigen Hauses
am Rande der Stadt den Menschen.
Wir blieben bunte Vögel,
wenn wir auch Federn lassen mussten.
Am Ende waren wir weiße Raben,
denen die Engel zuriefen:
"Erstarrte Vögel, warum fliegt ihr nicht,
der Käfig steht offen,
ich schrecke euch auf,
damit ihr fliegt!"
Man hatte uns Haus und Praxis gekündigt,
der Boden wankte unter unseren Füßen.
Wo sollten wir hin?
Kommen Sie auf die Insel,
sagte das rothaarige Mädchen,
die mit ihrem Kakadu auf der Schulter,
mir in der Praxis gegenübersaß.
Warum nicht?
Unser drolliges kleines Mädchen
war zur jungen mit Klugheit begabten
Frau erwachsen -und Mutter zweier Söhne.
Ihr Mann aus einem anderen Land kommend,
fand den Weg nicht zu uns,
jedoch das göttliche Licht vertrieb die Dämonen,
die die Angst auf uns warfen wie eine dunkle Decke,
unter der man zu ersticken glaubt.
Luka und Symeon, die kleinen wilden Serbo-Germanen
wie wuchsen sie uns ans Herz
und später auch Zoran, der Vater, der Beiden,
der uns nach Jahren der Zurückhaltung
seine Zuneigung schenkte.
Und da war unser Sohn,
jetzt im fernen Singapur lebend,
schmal und hochgewachsen
mit empfindsamen Gemüt.
Dünnhäutig und gleichzeitig ungestüm
auf der Suche nach sich selbst und seinen Talenten.
Wie wohltuend, wenn die Klänge seines Cemabalos
durchs Haus drangen:
Johann Sebastian Bach´s Fugen,
die die Kranken im Wartezimmer aufhorchen ließen.
Jahre später :
Zwischen Palmen und Schilfgras,
über dem Meer und in den Bergen
auf der Insel La Palma -
den amarillenfarbenen kleinen
wilden Kater zu Füßen,
lobpreise ich Gott,
der uns, als wir müde wurden -
hierhergeführt hat.
San Miguel de la Palma,
wir ihr vergessener Name lautet,
oder:
La Palma, die Unbezähmbare,
wie man sie nennt.
Nein, sagte ich anfangs,
dies ist nicht meine Seelen-Insel
zu schroff die schwarzen Felsen am Meer,
zu hart das Geröll und der dunkle Sand,
undurchdringliche Kakteen im Süden und Westen,
kein ebener Weg, stets ein Auf- und Ab.
Die Menschen : un pueblo muy joven, joven,
ein junges, junges Volk, wie ein canarischer Künstler sagt:
laut, fröhlich, freundlich, sinnenfroh,
gewohnt, harte Arbeit zu verrichten,
aber auch neidisch und rachsüchtig,
dem Konsumgott verfallen .
Grausam mit den Tieren.
Zwei Gesichter, wie die Insel;
La Isla Bonita - weiche warme Luft,
Wolken die die Berge herunterlaufen
und sattes Grün zaubern,
weiße Feenmäntel sich auflösend
in den breiten Nadeln der Pinien,
die sich satt-trinken in luftigen Höhen.
Ich fing es zu lieben an, dieses Eiland,
seine hellen und dunklen Tage
die vulkanischen Kräfte in der Tiefe
und die tosenden Stürme oben
und pries den Schöpfer :
Lob ihn
alles erwärmende Sonne
die du die hohen Schilfgräser am Berg
des Morgens in goldenes Licht tauchst.
Lobt ihn
schwarze Felsen und weiße Schaumkronen
auf dem Meer
Lobt ihn
Cumbre-Wolken im Licht
ihr Drachenbäume und kanarische Pinien
Lobt ihn
buntgescheckte Ziegen
Lagartitos und palmerische Katzen.
Lob ihn himmlischer Duft
des mächtigen Eukalyptusbaumes
Lobt ihn
vielfarbiger Hibiscus
Rosen und Strelitzien
Bougavillen und Christsterne
Meditation in den Bergen
mit meiner Yogini Barbara,
die vom Feuer getaufte: "Agni "
mit ihr saß ich,
schwieg ich,
ruhte im Geist –
weit und leer das Bewusstsein.
Ich öffnete und übergab mich
dem Höchsten -
empfing die herabfließenden
sanften Ströme
der mütterlichen Kraft Gottes.
Sein - Bewusstsein - Glückseligkeit.
A n a n d a .
Es gab Freunde auf der Insel
Schicksalsgenossen, Weggefährten
und anvertraute Patienten.
Die Insel wob uns zusammen.
Alle gefangen im gleichen Netz,
jeder eine Masche
verstrickt - verknotet - mit den anderen.
Reißt das Netz - ist es eine Wunde für alle.
Wir fanden kein eigenes Heim
jedoch das Herrenhaus von Dona Camila Hernandez-Bravo.
140 m über dem Ozean
(beschattet von einer hohen Palme
von Drachenbäumen und Oleander)
trotzte es den Stürmen von Land und Meer.
Ein verwunschenes Paradies,
wäre nicht die riesige Bananenfinca oberhalb
des Hauses gewesen, deren unsichtbaren Gifte,
versprüht von in Schutzanzügen steckenden Landarbeitern,
durch unsere Türen drangen.
Nachts, wenn ich nicht schlafen konnte,
(die jahrtausendalten Vulkane brodeln noch immer)
flüchtete ich mich in den großen Raum auf das breite
Schlafsofa vor dem mächtigen Kamin -
um mich herum das scheppernde Gelächter der Geckos,
draußen zog lautlos ein hellerleuchtetes Schiff vorbeiauf
dem Weg nach El Hierro und weiter nach Venezuela.
Irgendwann begann das Heimweh in mir stärker zu glimmen.
Wenn es Abend wurde und die Berge sich graublau färbten,
so sprach jeder Stein auf dem Weg zu mir:
Du bist hier nicht zuhause - geh zurück in deine Heimat!
Und eines Morgens - zwischen Schlaf und Wachen -
sah ich uns mit dem Jeep über eine Piste fahren - wie immer,
und eine Stimme sagte "das ist jetzt vorbei!"
Ab diesem Moment stand unser Entschluss fest,
die Insel zu verlassen.
Ich spürte zudem, dass Theo´s Krankheit
fortgeschritten war und ich nicht mehr alleine
die Verantwortung für sein Wohl und Weh tragen konnte.
Im Geheimen hatte ich mir vorgenommen:
Wenn es zuviel wird, kehren wir zurück. -
Wir haben in Deutschland unser neues Heim gefunden,
ein Dorf, umsäumt von Wäldern, Wiesen und alten Kirchen,
deren Glocken den Tag einläuten und ihn wieder beenden.
Dort leben wir oben auf einem Hügel,
umgeben von einem großen Park
und hohen uralten Bäumen,
die schützend ihre Schatten auf das Haus werfen.
Seit vier Jahrzehnten bin ich Theos Frau
und weiß mich bei ihm geborgen.
Durch Höhen und Tiefen sind wir gegangen,
Hand in Hand.
Meinen "Drachentöter" nenne ich ihn,
weil er Hunderfüßler und brasilianische Spinnen
für mich entfernte.
Seine zärtliche Liebe hüllt mich ein
und wir leben die Zweisamkeit,
in der uns noch verbleibenden Zeit,
dankbar, dass wir uns fanden.

Wieder begleite ich kranke und suchende Menschen:
das Baby mit dem gelähmten Arm und seine strahlende
tapfere Mutter,
den ratlos-verzweifelten Mann, dem die Frau davonlief,
das hübsche, dem Heroin verfallene Mädchen,
die an einer unheilbaren Krankheit leidende Freundin
und viele mehr.
Ich weiß nun, warum die Menschen bei mir weinen:
ich fühle ihr verborgenes Leid,
wie sie das meine.

Wer ich bin ?
Eine alt werdende Frau
mit weißem Haar,
deren schmales Gesicht
Spuren von Leid und Freude trägt.

Ein zerbrechliches Gefäß
das manchmal die Kraft Gottes
auffangen und weitergeben darf.

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AN CHRISTINE zum Tod ihres Hengstes Gavilan

Rothaariges - unbändiges Mädchen
du holtest dir den schwarzen, einäugigen Hengst
über die Berge : " GAVILAN "
du hast ihm ein Zuhause gegeben,
einen Stall aus Vulkansteinen gebaut.
Du hast ihn gekauft
obwohl du kein Geld hattest,
aber du wusstest
es ist Dein Tier !
Du musstest seine eisernen Fesseln lösen
- er gehörte zu Dir
ihr ward eines Wesens:
beide Geschlagene und einsame Kämpfer,
aber inwendig weich und verletzlich.
Ihr habt gerungen miteinander
- Er der Kraftvolle - Du die Eigenwillige.
Wer war der Sieger ?
Wer der Besiegte ?
Ich sehe noch immer das Bild -
wie du dich über den kranken Hengst beugst
und sich dein langes rotes Haar mit seinem
schwarzen Leib vermischt.
Und Er, der Wilde - so sanft wie ein Lamm -
leidend, wie wir alle leiden - als Geschöpf
dieser Erde.
Jedoch: Wen wir einmal in unser Herz genommen haben,
der bleibt darin.
CHRISTINE : GAVILAN ist in Dir
N I E wirst du ihn verlieren !

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Du Herr der Welt,

befreie uns von allen Fesseln,
Herr, mache uns frei von Furcht,
alles Elend löse auf.
Gib dem ewig erschrockenen Herzen Sicherheit,
Tief ist die Nacht und blind dein Pilger.
Lass dein Licht auf unserm Wege brennen.
Du Herr der Welt, befreie uns von der Verhärtung des Kummers
Herr, dein gnadenvolles Antlitz
wandle Unglück um in Glück
Mein Herz liegt schwach im Staub: Erwecke es.
Tief ist die Nacht und blind dein Pilger
Lass dein Licht auf unserm Weg brennen.
Du Herr der Welt,
befreie uns aus den Schlingen der Eigensucht.
Herr, mein Geist ist gelähmt und kraftlos,
schenke ihm das Wasser der Liebe.
Diesem bedrängten, fürchtsamen Herzen
gib deine Herrlichkeit.
Tief ist die Nacht und blind dein Pilger
Lass dein Licht auf unsem Wege brennen.
Rabindranath Tagore

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margot.stachels@yahoo.de